Mit der Fliege auf Waller

Ein Bericht von Mario Lange

Fliegenfischen auf Waller? Geht das überhaupt? Na klar und das auch noch erfolgreich! Speziell in Spanien oder anderen Gewässern mit großer Bestandsdichte hat man besonders große Chancen, die Bartelträger an den Streamer zu bekommen. Vor einigen Jahren wurde bei mir das Feuer, Waller mit der Fliegenrute zu fangen, entfacht. Es klappte auf Anhieb und bis heute konnte ich schon weit über 200 Waller mit der Fliegenrute überlisten.

Mittlerweile habe ich mich auf diese Art des Fischens spezialisiert und kann nur jedem, der sich dem Fliegenfischen verschrieben hat, empfehlen es einmal auf die Uriane zu versuchen. Natürlich ebenso auch jedem Wallerangler, einmal die Fliegenrute in die Hand zu nehmen. Die brachiale Gewalt des Bisses und des Drills, geparrt mit eleganter Wurftechnik und feinfühliger Köderführung, ist ein Erlebnis der besonderen Art und mit der “normalen” Fischerei auf Forellen und Äschen nicht zu vergleichen.

Hardware

Rute: Fliegenruten ab Schnurklasse 12 in 9 Fuss Länge haben sich für das Wallerfischen bewährt. Leichter sollte man nicht fischen, da man größere Waller nicht mehr führen kann und die Ruten meist kein ausreichendes Rückrat besitzen. Meine Empfehlung: z.B. G-Loomis NRX Saltwater, Sage Xi3 #12.

Rolle: Großkernrollen mit einem vernünftigen Bremssystem eignen sich besonders gut für das Fliegenfischen auf Waller. Meine Empfehlung: z.B. G-Loomis Current, Sage 6012, Loop Opti Speedrunner, etc.

Schnur: Als Schnur eignen sich Sinktipschnüre. Für diesen Zweck haben sich besonders die Schnüre von Mastery, Wet Tip Express 350gr oder 450gr bewährt, die dann auf die

Rute abgestimmt (eingekürzt) werden. Die Fliegenschnur sollte mit mindestens 150m 50lbs Backing unterlegt sein damit man für die Fluchten großer Waller genügend Spielraum hat. Monofile Vorfächer ab einer Stärke von 50lbs sind ausreichend. Man sollte aber ein Material mit hoher Tragkraft und guter Abriebfestigkeit verwenden. Zu steifes Mono behindert die Aktion des Streamers. Dieser wird mit einem Rapala Knoten mit dem Vorfach verbunden. Der Vorteil dieses Knotens ist, das sich der Streamer entlang der Schlaufe frei bewegen kann und somit unter Wasser besser läuft.

Streamer: Große Streamer sind besonders erfolgreich auf Waller. Es sind zwar diverse Hechtstreamer auf dem Markt, deren Haken aber meistens nicht den Anforderungen des Welsfischens gewachsen sind. So bleibt nur das Selberbinden. Ich verwende lasergeschärfte Haken der Größe 3/0 oder 4/0. Der Haken muss extrem scharf sein, da wir nicht über die Rute anschlagen, aber dazu später mehr. Als Bindematerial kommt ausschließlich synthetisches Material in Frage. Naturmaterialien würden sich mit Wasser voll saugen und erschweren das Werfen des ohnehin schon großen Streamers. Das Absinken übernimmt hier die komplette Sinktipspitze. Dem Design sind keine Grenzen gesetzt, hier kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen. Da der Waller mit seinen kleinen Augen visuell nicht allzu viel anfangen kann, ist er umso besser darin Druckwellen wahrzunehmen. Dieses sollten Sie sich beim Bau Ihrer Köder zu Nutze machen.

Boote: Da sich unsere Streamer wegen ihrer Größe nicht extrem weit werfen lassen, ist ein Boot, Bellyboot, besser noch ein Pontoonboot mit Rudern von Vorteil. Trotzdem sollten immer Fins (Flossen) zum leichten Korrigieren der Driftgeschwindigkeit bzw. der Bootsstellung verwendet werden. Bei größeren Booten ist ein E-Motor sehr hilfreich. Hiermit kommt man nah an die aussichtsreichen Stellen ohne Gewaltwürfe machen zu müssen.

Hilfsmittel: Ein Echolot erleichtert mir das Auffinden von Unregelmäßigkeiten des Gewässerbodens. Hier könnten sich z.B. in Rinnen quer zur Strömung bevorzugt Waller aufhalten die den Strömungsschatten nutzen um Energie zu sparen. Ohne Echolot wäre das nur mit einer Lotrute möglich, für die aber der begrenzte Platz auf meinem Pontoon nicht ausreicht. Natürlich sollte eine Tasche mit allen unbedingt nötigen Dingen nicht fehlen. Lösezange, Landehandschuh, Messer, Kopflampe und Insektenspray sind die wichtigsten. Manchmal wird man regelrecht von den stechwütigen Plagegeistern überfallen.

Software

Fanplätze: Ich suche mir ruhigere Bereiche im Fluss an denen die durchschnittliche Wassertiefe ca. 4 m beträgt. In diesen Bereichen konzentriere ich mich dann auf die die verdächtigen Stellen wie Kanten, Bäume die aus dem Wasser ragen, Löcher, Kehrwasser, Kanten usw. und fische diese intensiv ab. Wie kurz vorher angedeutet, ist ein Echolot dabei hilfreich.  Wer ein Gewässer allerdings „Lesen“ kann, wird aber auch so anhand der verschiedenen Strömungen und Uferformationen die Hot Spots schnell entdecken.

Technik: Zuerst lasse ich den Streamer mehrmals an der verdächtigen Stelle auf der Oberfläche aufplatschen und führe ihn dann durch die oberflächennahe und mittlere Wasserschicht. Das Aufplatschen des Streamers macht den Waller wie beim

Spinnfischen aufmerksam auf den Köder. Der Biss kommt dann schon oft nach den ersten Würfen. Danach konzentriere ich mich auf die tieferen Wasserschichten und führe hierbei den Streamer in kurzen Zügen knapp über Grund. Regelmäßig steigen so auch Zander ein, die dem Streamer einfach nicht widerstehen können. Das Gewicht des Streamers erfordert den bekannten „Doppelzug“, d.h. der Köder wird durch ruckartiges Ziehen der Fliegenschnur beim Vorwärts- sowie beim Rückwärtsschwung beschleunigt. Damit erreicht man größere Weiten. Das Tempo der Absinkphase ist je nach Bauart des Streamers unterschiedlich. Hier hilft nur ausprobieren.

Ist die Sinktipspitze am Grund angekommen schwebt der Streamer noch in ca. Vorfachlänge über dem Boden und erst beim Einstrippen erreicht er seine endgültige Tiefe. Das Strippen sollte variabel gestaltet werden. Tempoveränderungen, Stopps, Beschleunigungen etc. reizen meinen Erfahrungen nach eher zum Biss als stupides, gleichförmiges Zupfen.

Tipp: Halten Sie dabei die Rutenspitze soweit wie möglich unter Wasser in Richtung Streamer. Damit kommen Sie nicht in Versuchung über die Rute anzuschlagen. In den Abendstunden ist das Fischen an der Oberfläche (eventuell auch mit großen Poppern) und in den Flachwasserzonen sehr erfolgreich. Hier fische ich die sinkenden Streamer in einer Tiefe von etwa 1m relativ zügig um mit dem Streamer eine große Druckwelle zu erzeugen.

Biss, Anschlag, Drill und Landung

Der Biss kommt bei größeren Welsen meist hart und ohne Vorwarnung. Kleinere fühlen schon mal vor, nehmen aber dann vehement beim 2. Versuch. Da die Rutenspitze ein ganzes Stück eingetaucht ist, besteht ein sehr direkter Kontakt zum Fisch. Ich schlagen per Hand an. Zwei, drei schnelle Züge an der Schnur und er superscharfe Haken müsste gefasst haben. Mit einem Anschlag über die Rute funktioniert das nicht. Sie ist zu weich um den Haken im harten Wallermaul zu verankern.

Nun bloß nicht den Fehler machen und versuchen über die Schnur zu drillen. Das kann bei einer rasanten Flucht zu Hautverbrennungen an den Fingern, Verhedderungen am Rudergestänge oder schlimmer, zum Verlust des Fisches führen. Besser ist es, mit den Flossen rückwärts zu paddeln, kontrolliert die komplette lose abgelegte Schnur freizugeben und über die Rolle zu drillen. So hat man alles unter Kontrolle. Nun kann sich der Fisch austoben. Wird er müde, zeigt er sich an der Oberfläche. Ruhe bewahren und erst mal den Kopf des Fisches tätscheln. Er wird noch ein, zwei kurze Fluchten unters Boot unternehmen, dann ist er reif für die Landung. Kleinere Fische kann man per Wallergriff über die Seite des Bellybootes, größere Exemplare am Besten vom Ufer aus landen. Man paddelt den Waller im Griff zurück zum Ufer, um dort einen sicheren Stand zu haben.

Sicherheit: Solche Fische vom Belly- oder Pontoonboot aus zu fangen, erfordern ein paar unbedingt einzuhaltende Sicherheitsmaßnahmen. Bei der Wahl des Bootes sollte man die Höchstbelastbarkeit nie ausnutzen oder überschreiten. Eher um mind. 20 kg unterschreiten, damit man genug Stabilität für den drill und die Landung hat.

Ich fische die Pontoonbootvariante mit festen Auftriebskörpern. Dies haben den Vorteil, dass sie hakenunempfindlich sind, sollte sich mal ein 4/0´er Greifer sich nach einem misslungenen Wurf darin festsetzen. Bei luftbefüllten Körpern geht das Ganze nicht so glimpflich aus! Auch sollte man immer einen kleinen Anker zur Sicherheit dabei haben. Sollte es doch mal zum „Untergang“ kommen, immer Automatik-Schwimmweste tragen (behindert nicht beim Werfen) und Watgürtel anlegen (verhindert komplette Überflutung der Wathose).

Tight lines!

Euer Mario Lange